Musikkapelle Thaur

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Gründungsgeschichte

Das Entstehungsjahr der Musikkapelle Thaur ist durch eine schriftliche Aufzeichnung leider nicht festgehalten. Einer mündlichen Überlieferung zufolge, die später niedergeschrieben wurde, ist die Entstehung der Musikkapelle mit dem Jahr 1793 anzusetzen. Aus mehreren Urkunden und Veröffentlichungen geht eindeutig hervor, dass bereits zu diesem Zeitpunkt in Thaur eine Musikkapelle bestanden haben muss und das überlieferte Entstehungsjahr demnach als gesichert angenommen werden kann. Am 29. September 1793 wurde die Statue des hl. Romedius in einer feierlichen Prozession von der Vigilkirche in die nach der Schließung durch Kaiser Josef II. wieder eröffnete Schlosskirche zurückgebracht. Dieses für Thaur bedeutende Ereignis hielt Pfarrer Ignatz Brock von Weissenburg, Pfarrer in Thaur von 1782 bis 1810, in seinem Informationsbuch I auf Seite 88 wie folgt fest: „Vorauß giengen die Kreütz von Thaur, sodann die Rumer: darauf folgten die Musikanten mit Trompeten, und Paucken, und anderen Blaßinstrumenten.“ Bereits damals schien kein größeres Fest ohne musikalische Umrahmung abgehalten worden zu sein, wobei laut Brock von Weissenburg auch bei der Statuenüberstellung „die ganze Feyrlichkeit mit Trompeten, und Pauckentusch vollends beschlossen wurde.“

Am 26. Juni 1796 nahm die Musikkapelle Thaur an der Gnadenbildübertragung in Terfens teil, bei der das Marienbild der Wallfahrtskapelle von Maria Larch vom Ortszentrum aus wieder an seinen ursprünglichen Standort oberhalb von Terfens zurückgebracht wurde. Auch über diese Ausrückung wusste Pfarrer Brock von Weissenburg auf Seite 6 seines Informationsbuches II einiges zu berichten: „Von Thaur giengen die dermalen nicht übel geübte Musikanten, Schitzen, und auch Partisaner mit einem Kreützgang hinunter.“ Das Entstehungsjahr 1793 wird auch durch eine Veröffentlichung im „Tiroler Jungbürgerbuch“ (2. Auflage, 1959) erhärtet, wo Heinrich Kotz, ein Kenner vor allem der Geschichte des Bezirkes Innsbruck-Land, auf Seite 66 schreibt: „Zu den ältesten Musikkapellen zählen die von Götzens, die schon 1792 bestanden haben soll, und die von Thaur.“ Es kann nun wohl nicht angenommen werden, dass die Musikkapelle Thaur im Jahr 1793 durch einen Gründungsakt entstanden ist und demnach bis dorthin im Dorf keine musikalische Tätigkeit ausgeübt wurde. Es dürfte vielmehr ein loser Zusammenschluss einiger Musikanten bereits bestanden haben, die vor allem kirchliche Veranstaltungen musikalisch umrahmt haben. Eine Gründung der Kapelle im eigentlichen Sinn war daher nicht mehr notwendig. Diese Annahme ist umso mehr gerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass Thaur eine Urpfarre und ein alter Gerichtssitz war, wo sich ein reges kulturelles Leben abgespielt hat.

Die Entstehungsgeschichte der Musikkapelle Thaur ist wohl in engem Zusammenhang mit der Tätigkeit des Kirchenchores zu sehen. Wenngleich die Gründung des Thaurer Kirchenchores im Dunkeln liegt, ist doch schriftlich überliefert, dass im 17. Jahrhundert Chorknaben an Festtagen den Gottesdienst musikalisch gestalteten. Aus dieser Einrichtung muss sich jedenfalls ein Kirchenchor entwickelt haben, der schon bald eine rege Tätigkeit entfaltet hat. Es gilt als erwiesen, dass zum Chorgesang bereits im 18. Jahrhundert auch Instrumentalisten hinzugenommen wurden. Dies ergibt sich zum einen aus der Überlegung, dass gerade in der Barockzeit der Instrumentalmesse Vorrang gegeben wurde; zum anderen muss zu dieser Zeit in Thaur ein zahlenmäßig starker, leistungsfähiger Kirchenchor bestanden haben, der den Bau einer Orgelempore notwendig machte. Dies geht jedenfalls aus einer Inschrift zweier Zimmerleute hervor, die bei der Orgelrenovierung im Jahr 1973 im Fußboden der Orgelempore gefunden wurde. Auf der Unterseite eines Fußbodenbrettes wird davon berichtet, dass unter dem „Herrn Johann Anton Mor von Sonnegg und Morberg, Pfleger der Herrschaft Thaur und gewester Inspektor auch Chorführer, anno 1767 die Pfarrkirche renoviert und der Orgelchor erbaut wurde.“ Es kann angenommen werden, dass zu den Instrumentalisten auch Bläsergruppen zählten, die solcherart den Kirchenchor verstärkten. Davon schreibt jedenfalls auch Pfarrer Brock von Weissenburg in seinem Informationsbuch I, wonach das neu gefasste Marianische Gnadenbild am 25. Februar 1786 in der Pfarrkirche unter Trompetenschall feierlich ausgesetzt wurde.

Es ist durchaus denkbar, dass sich die im Kirchenchor tätigen Bläser zu einer Gruppe zusammengeschlossen haben, um vor allem kirchliche Ereignisse (z.B. Prozessionen) musikalisch mitzugestalten. Warum sollten diese Musikanten nicht auch im weltlichen Bereich musiziert und zur Unterhaltung aufgespielt haben und sich dabei zu einer „Musikbande“ zusammengefunden haben? Aus der Kirchenchortätigkeit entstand somit gleichsam von selbst die Musikkapelle Thaur, die jedenfalls – den Aufzeichnungen zufolge – bereits im Jahr 1793 als solche ausgerückt ist. Das Entstehungsjahr scheint uns somit als richtig überliefert worden zu sein.