Musikkapelle Thaur

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Marketenderinnen der Musikkapelle Thaur


Die Marketenderinnen gehören in Tirol zum fixen Erscheinungsbild jeder Musikkapelle und Schützenkompanie. Der Begriff kommt aus dem mittelalterlichen Militärwesen. Ein Marketender (lat. mercatante - Händler, Kaufmann) ist jemand, der Truppen begleitet, verpflegt und medizinisch versorgt. Die historischen Marketender gehörten zum Tross der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Heere. Fast jedes Fähnlein der Landsknechte hatte in dieser Zeit einen eigenen Marketender, der dem Heer nachzog und die Soldaten als Händler mit Lebensmitteln, Tabak und verschiedenen Gebrauchsgegenständen versorgte. Seit dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) versorgten sich die Heere vermehrt durch Plünderungen, was die Marketender überflüssig machte.

Dass Frauen den Beruf des Marketenders häufig mit Prostitution kombinierten, kann man sich leicht vorstellen. Darauf weist z.B. ein Reglement der k.k. Infanterie aus dem Jahr 1769 hin, demzufolge das „lüderliche Weibsgesündel“ in den Marketenderzelten keine Unterkunft finden sollte. Oft genug war es aber die „brave Marketenderin“, die sich der Kranken und Verwundeten annahm und dabei viel Gutes tat. In der Literatur gibt es die Figur der „Mutter Courage“. In dem Antikriegsstück „Mutter Courage und ihre Kinder“ von Bertolt Brecht begleitet die Titelfigur im Dreißigjährigen Krieg Truppen als Marketenderin.

Heute wird der Begriff Marketenderin für Mädchen verwendet, die eine Blasmusikkapelle oder Schützenkompanie begleiten und die Musikanten bzw. Schützen mit Getränken (Schnaps) versorgen. Die Marketenderin ist hauptsächlich in Süddeutschland, Österreich und Südtirol anzutreffen. Die Funkenmariechen einiger rheinischer Karnevalsvereine werden ebenfalls Marketenderinnen genannt.

Geblieben ist also der Versorgungsgedanke, schließlich müssen die Musikanten bei einem Auftritt ja „spielfähig“ bleiben... Im Übrigen kann dem Schnapsl – in Maßen genossen - eine wohltuende Wirkung, vor allem zur Verdauung nach einem üppigen Essen, wie es Musikanten nach Ausrückungen oft und gerne serviert wird, nicht abgesprochen werden. Bei Ausrückungen in der kalten Jahreszeit vermag es zu wärmen und so mancher Erkältung vorzubeugen. Nicht selten soll das Schnapsl auch dazu dienen, eine allenfalls bestehende Nervosität vor einem Auftritt zu lindern. Dabei tragen die Marketenderinnen eine große Verantwortung: Die Abgabe von Hochprozentigem an minderjährige Musikanten ist natürlich tabu. Aufzeichnungen über die Marketenderinnen der Musikkapelle Thaur existieren leider erst seit geraumer Zeit. Durch Nachforschungen gesichert ist aber, dass zu Beginn des 20. Jh. Maria Recheis (verh. Plank; bis 1914) und Johanna Hutter (verh. Vasak; bis 1917) die Musikkapelle als Marketenderin begleitet haben. Frühere Marketenderinnen sind nicht bekannt. Seit Ende der 1980er Jahre schreiten der Musikkapelle vier Marketenderinnen voran, die von der Generalversammlung gewählt werden.

Mit ihren schmucken Trachten und den kleinen „Schnapspanzelen“ sind die Marketenderinnen, die den Kapellmeister in der ersten Reihe flankieren, ein Blickfang jeder Musikkapelle. Sie sind jedoch nicht nur optischer Aufputz, die Aufgaben einer Marketenderin sind vielfältig. Sie arbeiten aktiv am Vereinsgeschehen mit, übernehmen Verantwortung und tragen solcherart zum Gelingen der Gemeinschaft bei. Beim Schnapsverkauf treten sie in Kontakt mit den Zuhörern und geben damit eine Visitenkarte der Musikkapelle ab. Im Jahresablauf übernehmen sie verschiedene Aufgaben, wie z.B. gelegentliche Reinigungs- und Aufräumarbeiten im Probelokal, Näh- und Bastelarbeiten (vor allem bei den jährlich stattfindenden Fasnachtsumzügen), die Mitarbeit (Bardienst und Service) bei Vereinsveranstaltungen usw. Letztlich soll es für ein Mädchen aber in erster Linie eine Ehre sein, von den Musikanten auserwählt zu sein, der Musikkapelle als Marketenderin voranzuschreiten und diese zu repräsentieren.



v.l.n.r.: Viktoria Schaur, Barbara Feichtner, Sophie Norz, Michaela Frech